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THEMA: Historische Berichte

Historische Berichte 1 Jahr, 4 Monate her #1


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Historischer Text des Heinrich Schurtz (Quelle siehe unten) über Goldseifen in Sachsen mit vielen konkreten Ortsangaben (fett hervorgehoben):

"Das Gold. Diesen König der Metalle in Flüssen, Bächen und
Seifenlagem, endlich auch im anstehenden Gestein aufzusuchen haben
die Bewohner des Erzgebirges keine Mühe gescheut. Wollte man nach
der Zahl der Mutungen und nach der Fülle der Litteratur urteilen,
dann wären die deutschen Mittelgebirge ein wahres Golkonda gewesen;
in Wahrheit sind sie alle nur kärglich mit Gold ausgestattet, am kärg-
hchsten vielleicht das Erzgebirge selbst. Jene Unzahl Vou Sagen,
historischen Berichten und ausschweifenden Vorstellungen werden wir
bald näher ins Auge zu fassen zu haben; zunächst möge ein kurzer
Ueberblick der Goldseifen folgen, die im Erzgebirge und den nächst-
gelegenen Strichen Sachsens wirklich bestanden haben. Es wird dies
weder der erste noch der eingehendste Versuch dieser Art sein. Eine
sehr ausführliche, aber doch noch unvollständige Sammlung historischer
Notizen hat F. Schmid in seiner Dissertation „Historia aurifodinarum**
veröffentlicht (1804), die er später in deutscher erweiterter Uebertragung
seinem „Archiv für Bergwerksgeschichte** einverleibt hat. Schon vorher
hatte Flasch eine brauchbare Zusammenstellung gegeben, und neuer-
dings ist über diesen Gegenstand in der wissenschaftlichen Beilage der
„Leipziger Zeitung" eine kleine Abhandlung von dem leider zu früh
verstorbenen A. Werl erschienen, die sehr lesenswert ist, aber vielleicht
etwas zu skeptisch den Berichten aus älterer Zeit gegenübersteht. Wir
müssen immer bedenken, dass der Wert des Goldes nach und nach ge-
waltig gesunken ist und dass vorzeiten eine Ausbeute noch als ge-
nügend galt, der zuliebe jetzt niemand mehr eine Hand rühren möchte,
lieber die Art und Weise des Goldseifens im Erzgebirge wäre
noch einiges vorauszuschicken, wenn sich nur genauere Angaben er-
halten hätten. Agricola kennt eine ganze Reihe von Methoden, die in
den verschiedenen Ländern gebräuchlich waren und fast sämtlich auf
einem Grundgedanken beruhen: Der goldhaltige Sand der Flüsse oder
Seifen wird über eine schräge, mit kleinen Unebenheiten und Vertiefungen
versehene Fläche hinabgeschwemmt; die schweren Goldteilchen sinken
dabei in die Vertiefungen und werden dann, indem man die Fläche
lunkehrt und mit Wasser übergiesst, herausgespült. Derartige rauhe
Ebenen wurden auf die verschiedenste Art hergestellt. Man verwendete
z. B. ungehobelte oder mit Quereinschnitten versehene oder endlich mit
Draht übersponnene Bretter, wollene und leinene Tücher, Rasenstücke,
Ochsenfelle, Netze ^). Ein anderes sehr gebräuchliches Gerät war der
Sichertrog, ein flaches, in der Regel viereckiges Gefäss, das an drei
Seiten von Rändern umgeben war, während die vierte Seite durch den
schräg emporsteigenden Boden abgeschlossen wurde. Durch geeignete
Bewegungen und Erschütterungen des Troges schied man den mit
Wasser gemischten Sand vom Golde, das sich an der tiefsten Stelle,



*) Agricola, De re metallica, L. VHI. — Broker, Beschreibung d. aller-
famemsten etc., S. 43. 44. — Br uckmann, Beschreibung aller Bergwerke, I, 247;
II, 38. — Grundig, Sammlungen z. Natur- und Kunstgeschichte, 11, S. 646. —
Schauplatz d. Bergwerkskunde, XII, S. 8.



11t) Heinrich Schurtz, [32

also am hinteren Rande, zu Boden setzte. In früherer Zeit dürfte man
sich mit diesem Verfahren begnügt und das Gold einfach aus dem noch
beigemischten Sande herausgeschmolzen haben. Später setzte man dem
unreinen Goldschlich Quecksilber zu, das sich mit dem Golde amalga-
mierte und durch Abdampfen wieder davon getrennt werden konnte. Im
Erzgebirge dürfte man hauptsächlich mit dem Sichertroge gearbeitet haben.

Vor der Schilderung der einzelnen Goldvorkommnisse ist eine Ur-
kunde ^) zu erwähnen , die vielleicht die erste Angabe über Goldseifen
im heutigen Königreich Sachsen enthält, wenn man nicht annehmen
will, dass sie nur die Möglichkeit von Goldfunden ins Auge fasst.
Kaiser Friedrich IL verlieh im Jahre 1232 dem Bischof Heinrich von
Meissen das R^gal über alle Arten von Bergwerken, „sive sint argenti-
fodinae seu metalli cuiuslibet speciei, aquarum etiam decursus, in quibus
aurum repertum fuerit**.

[b]Die wichtigsten, wenn auch nicht mehr dem eigentlichen Erz-
gebirge angehörigen Goldseifen Sachsens waren die an der Göltzsch im
Voigtlande. [/b]Über ihr Alter ist nichts Bestimmtes zu sagen, doch ist
sicher, dass sie um 1323 nicht bekannt waren; aus diesem Jahre ist
ein Lehnsbrief Ludwigs des Bayern über die Städte Mylau und Reichen-
bach (letzteres an der Göltzsch gelegen) erhalten 2), in welchem u. a.
verliehen werden, „montana seu mineralia, quae Bergwerck vulgariter
appellantur, si forte in terris suis ea contingent reperiri". Das
schliesst nicht aus, dass die Sache damals nur vorübergehend in Ver-
gessenheit geraten war, wenigstens lässt sich der Name Reichenbachs,
das in älteren Schriften oft „die alte Berg- und Goldwäschstadt" heisst^),
recht wohl auf die Goldfunde beziehen. Historisch beglaubigt ist nur,
dass Herrn Wolf von Schönberg 1580 „zwenne Gold-Seiflfen , einer in
der Golitzsch Vnd der Andere- inn der Heinerdörffer Bach
** verliehen
wurden^). Zu Albinus' Zeit hatte Reichenbach einigen Ruf erlangt,
auch wusch man im Lere1;z- oder Lorenzbach ^). Im Jahre 1701 schlug
man Medaillen aus voigtländischem Golde, über dessen Herkunft die
Angaben nicht übereinstimmen. Entweder stammte es aus der Göltzsch ^)
oder aus Seifenwerken bei Voigtsberg '') ; ersteres ist nicht unwahrschein-
lich, da um diese Zeit die Goldwäscherei in der Göltzsch wieder auf-
genommen wurde ®). Noch bis in unser Jahrhundert hinein hat es nicht
an Versuchen gefehlt, den Betrieb der Wäschen neu zu beleben. Die
Regierung Hess in den Jahren 1774, 1781, 1819 und 1839—1842 Unter-
suchungen anstellen, die aber doch ergaben, dass -auf lohnende Ausbeute
bei dem gegenwärtigen geringen Wert der Edelmetalle nicht zu rech-
nen sei^).



^) Codex diploni. Sax. regiae, II, 1, S. 101.

^) Olisicher, Chronik von Reichenbach, S. 12.

3) Vgl. z. B. Körner, Altertum d. böhm. Bergw., S. 38.

*) Schmid, Historia aurifod., S. 58.

^) Bergchronica S. 88.

^) Werl, Wissehsch. Beil. d. „Leipziger Zeitung% 1887, Nr. 99.

^) Melzer, Schneeberger Chronik, S. 1457. Eine Notiz über das Voigts-
berger Seifenwerk S. 657.

^) Gläser, Beyträge z. Naturgesch. u. Bergpolizei-Wissenschaft, S. 16.

*) Schurig, Bergbau im Vogtlande, S. 44 f.



331 I^ör Seifenbergbau im ifrzgebirge und die Walensagen. 117

An der Quelle der Zwickauer Mulde, zu Kuttenheide im Voigt-
land, bestand lange Zeit ein Goldbergwerk
, das zeitweilig hiebt ohne
Ertrag gewesen sein kann. Schon Agricola und Encdius erwähnen es^)
und Albinus nennt es als ein Bergwerk der sächsischen Fürsten zu-
sammen mit Steinheide in Thüringen^). Der Dreissigjährige Krieg
scheint dem Betrieb ein Ende gemacht zu haben ; spätere Versuche, an
denen es nicht fehlte^), sind ohne Erfolg geblieben.

Die Elster führt etwas Gold, wie Gläser •berichtet*). Nicht ohne
Bedeutung waren ferner die Seifen zu Neumark: „Nun ist nicht ohne,
das der Enden viel Golds ist gewaschen worden,** berichtet der Schösser
Wolf Pöhm zu Zwickau 1526 an den Kurfürsten ^). Streitigkeiten über
Verleihung und Zehnten führten noch 1544 zu einem gemessenen Be-
fehl an verschiedene in der Gegend angesessene Edelleute, die Arbeit
in den Goldseifen nicht zu hindern*^). Aus späterer Zeit ist nichts
überliefert.

Von Goldseifen im oberen Erzgebirge ist wenig bekannt. J. G.
Lehmatn, dem nicht sehr zu trauen ist, will allerdings von Wäschen
bei Olbernhau, an der Zschopau, der Pöhla und dem Bache Conduppel

wissen '), aber er scheint nur die Walenberichte benutzt zu haben, über
deren Glaubwürdigkeit bald mehr zu sagen sein wird. Der ältere
Lehmann, dem wir ein höchst brauchbares, Werk über das Erzgebirge
verdanken, ist in diesem Punkte kaum vertrauenswürdiger; er nennt
die eben erwähnten Oertlichkeiten ebenfalls, ferner Marienberg, Fern-
rückerswalde, Glashütte, die Bäche Zinn-, Lauter- und Küheseifen, die
ins obere Schwarzwasser fallen
u. s. w. ^). In Wirklichkeit ist nur in
wenigen Fällen ausdrücklich und mit einigem Erfolge auf Gold geseift
worden.

Bei Gelegenheit des Zinnseifens hat man allerdings nicht selten
Gold gefunden. Dieses aus den Zinnseifen gewonnene Gold muss zu-
weilen in beträchtlicher Menge eingeliefert worden sein; ein kurfürst^
lieber Befehl vom Jahre 1657 beruft sich darauf, dass die alten Anna-
berger Zehntrechnungen auch einen bedeutenden Betrag an Waschgold
erwähnen, und ermahnt die Zinnseifner zu aufmerksamem Nachsuchen ^) ;
angeblich waren unter Johann Georg I. (1611 — 1656) jährlich über
50 Mark aus den Wäschen des Erzgebirgischen Kreises an die Zehnten-
kammer eingegangen ^^). Bekannt wegen ihrer Goldfunde waren die
Eibenstöcker Seifen ^^), die bei Johann-Georgenstadt ^^) und besonders


^) Agricola, De veteribus et novis metallis, II, S. 401. — Encelius, De
re metallica. Frankfurt 1557. S. 14.' . .

. ^) Bergchronica S. 51.

«) Vgl. Schurig a. a. 0. S. 39. 40.
*) Gläser a. a. 0. S. 15.
5) Schmid, Hist. aurif., S. 53.
®) Melzer, Schneeb. Chron., S. 443. .

') fJachricht von Wahlen S. 4.
«) Obererzgeb. Schauplatz S. 199.
*) Engelschall, Johann-Georgenstadt, S. 185.
'°) Grün digs Sammlungen II, S. 645.

") V. Charpentier, Mineral. Geogr., S. 275. — Oettel, Historie von
Eibenstock, S. 206.

*2) Oesfeld, Städte i. Erzgebiirge, II, S. 87.
Forschungen zur deutschen Landes- und Yollj^kunde. Y. 3^ 9



118 Heinrich Schurtz, * [34

[b]die bei Jugel^). Ein Seifner am Schwarzwasser überreichte einst dem
Kurfürsten* Johann Georg IL eine halbe Federkiele voll Gold^)[/b]; dass
ein so unbedeutendes Ergebnis Aufsehen erregen konnte, beweist, wie
gering durchschnittlich die Menge des gewaschenen Goldes gewesen sein
muss. Noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts gab es Leute, die in
den Seifengebirgen ausdrücklich dem Golde nachgingen, indem sie sich,
wahrscheinlich den Zinnseifem zugesellten, und einen kärglichen Gewinn
aus ihrer Thätigkeit zog^n ^).

Bei Jugel war auch einmal am Rabenberg ein wirkliches Gold-
seifenwerk im Gang *). Im Pressnitzer Wald hiess ein Revier die Gold-
zeche*)
, was vielleicht auf einen jener alten Versuche hinweist, das
Gold im festen Gestein zu suchen, wie man sie auch bei Eibenstock
vorzeiten unternommen hat^). Zwischen Purschenstein und Claussnitz
im östlichen Erzgebirge
wurden im Jahre 1668 Herrn Kaspar von
Schönberg drei Fundgruben verliehen und ein Goldbergbau begonnen,
der doch auf irgend welchen Vorkommnissen von Gold beruht haben
mag'). Zu Paulshain bei Dippoldiswalde endlich bestand 1560 ein
Goldseifenwerk ®) ; im nahegelegenen Malter finden sich noch die sogen.
Goldgruben, bei Rabenau eine „Goldstampfe".

Im oberen Erzgebirge ist somit der Goldreichtum ein höchst ge-
ringfügiger gewesen ; etwas rißichlicher findet sich das vielbegehrte Metall
in den nördlicheren Teilen des Berglandes, die man in der Regel als
das sächsische Mittelgebirge bezeichnet, und in den Einsenkungen oder
Becken, die diese Gebirgsfalte vom eigentlichen Erzgebirge trennen.
Die wichtigsten Vorkommnisse mögen ebenfalls kurz erwähnt werden.

Ein Goldbergbau im festen Gestein fand zu Hohenstein westlich
von Chemnitz
statt. An einen grossen Ertrag auch in früher Zeit wird
man kaum glauben können, wenn man erwägt, dass die aus dem ge-
wonnenen Golde geprägten Dukaten (Anfang des 17. Jahrhunderts) Stück
für Stück 27 Thaler Unkosten machten^). Dieses Goldvorkommen^
über das v. Charpentier Genaueres mitteilt^®), interessiert uns deshalb^
weil es das Entstehen von Goldseifen in der dortigen Gegend hinläng-
lich erklärt. So wusch man bei Chemnitz Gold aus dem Sande des
Kappelwassers ^^); noch wichtiger waren die Goldseifen bei Euba, die
zu einem langdauemden, freilich oft unterbrochenen Bergbau Anlass
gaben. Im Jahre 1576 erfolgte die erste bekannte Verleihung, 1591
wurde die Konzession erneuert,- und 1597 gab es drei Gruben „Goldene



*) V. Charpentier a. a. a S. 262. — Schiffner, Sachsen, I, S. i92.

*) EngelschaU a. a. 0. S. 185.

3).v. Charpentier a. a. 0. S, 275.

*) Schmid, Hist. aurif., S. 37. ^

*) Lehmann, Obererzgeb. Schaupl., S. 105.

^) V. Charpentier S. 275.

') Schmid a. a. 0. S. 34.

®) Flasch, Grundigs nützl. Beiträge zu den nötigen und angenehmen
Wissenschaften (II. Teil, Stück 9. 11. 12), S. 497.

») Schiffner, Sachsen, I, S. 485. — Werl a. a. 0.

*°) V, Charpentier a. a. 0. S. 298. — Vgl. auch v. Beust, Das Vor-
kommen des Goldes in Sachsen (Cottas Gangstudien III).

") Richter, Chronik \. Chemnitz, S. 50. — Schiffner I, S. 20.



35] . I^er Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 119

Krone**, »Löwe" und „Goldenes Schwert". Noch 1717 wurde zu neuen
Versuchen eine Summe aus der Schurfgelderkasse bewilligt ^).

Goldseifen im Walde bei Hainichen und Falkenau werden oft
erwähnt^), zuerst 1551. Ein Bericht von 1556 spricht sich wenig
günstig aus; die Fundgrübner, die ein „schechtel* gemacht hatten,
waren arm, und es schien nicht viel Aussicht vorhanden, dass sie etwas
erreichten. Ein Kübel des Gebirges gab bei der Sicherung fünf oder
sechs Flämmchen Gold. Andere Unternehmer suchten den Bergbau
in den Jahren 1565 und 1589 wieder aufzunehmen; in der 'Folgezeit
scheint dort niemand mehr sein Glück versucht zu haben.

Zu Falkenhain bei Mittweida und überhaupt in der Umgegend
dieser Stadt lagen Goldwäschen ^), so bei Seifersbach, wo sich noch jetzt
Raithalden finden^), am Schniebach und Erlbacher Bach, zu Ottendorf
und an der Zschopau
. — Bei Rochlitz hat man vorzeiten Gold ge-
waschen^), bei Penig wurde 1566 ein Seifenwerk angelegt^), bei Cossa
schon 1525 (nach Schmid die älteste urkundliche Nachricht Über Gold-
seiferei in Sachsen '). Versuche hat man auch bei Freiberg zu Langen-
hennersdorf (1583 und 1590) imd Waltersdorf®) angesteUt, femer zu
Etzdorf und Schmalbach bei Rosswein ^) (1573) und endlich zu Lung-
witz bei Dohna (1577) i^).

Damit ist alles erschöpft, was sich über die Goldseifen des Erz-
gebirges von unserem Standpunkt aus sagen lässt. Diese Thatsachen
sind die dürftige Grundlage, auf der sich jenes bunte Gebäude von
Mythen und phantastischen Berichten erhebt, dem wir uns nunmehr
zuwenden müssen.

Quelle:
www.archive.org/stream/derseifenbergba00...a00schugoog_djvu.txt

Aw: Historische Berichte 1 Jahr, 4 Monate her #2


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Besonders interessant auch Schurtz's Kapitel über die Walensagen. Wusste man einerseits also, dass "Venediger", goldwaschkundige Ausländer aus Südeuropa/Italien, in unseren Wäldern nach Gold gewaschen haben,- zeigte man sich andererseits völlig ratlos, wie diese ihr Gold wohl gewaschen haben. Selbst Versuche, aus dem Flusssand das Gold "herauszubrennen" gab es - mit ernüchterndem Ergebnis. So ganz helle scheinen unsere Vorfahren nicht gewesen zu sein - und zu misstrauisch Fremden gegenüber, sich einfach mal deren Technik lehren zu lassen, bzw. "abzuschauen":


Interessant auch die "These", das die weitverbreiteten Sagen über in Bergwerken arbeitenden Zwerge, in Wirklichkeit kleinwüchsige Südeuropäer ("Walen") waren, die nach Edelmetall suchten. Da sie sich für die hiesigen Einwohner auf einer unverständlichen Sprache unterhielten und zudem meist im Dunkel der Wälder tätig waren und nicht gesehen werden wollten, entstand die Mär von "Zwergen".

Hier also, wieder it vielen Ortsangaben, das nächste Kapitel aus dem Buch von Heinrich Schurtz,- Viel Spaß beim Lesen!!:

IV. Die Walensagen.

Wie die riesenhaften, aber körperlosen Schatten der Abendsonne
treten neben die beglaubigte Geschichte des Bergbaues sagenhafte Be-
richte, gespenstische Phantome der nüchternen Wahrheit. Weiss schon
die Geschichte von gewaltigen Schätzen zu erzählen, die der Bergmann
der widerstrebenden Erde in hartem Kampfe entriss, so kennt die Sage
noch unendlich grössere, fabelhafte Reichtümer ; und nicht mit Schlegel
und Eisen sind sie dem Gebirge abgerungen worden, nein, aus Flüssen
und Bächen wurden sie gesammelt, aus unscheinbaren Gesteinen wusste
sie der "Kundige zu scheiden. Wenn von der Pracht und den Schätzen
des weitberühmten Venedig Kunde in die ärmlichen Häuschen der
deutschen Mittelgebirge drang, dann wusste man dort wohl, aus welchen
Quellen dieser Reichtum geflossen war: Heimlich, in allerlei Verklei-
dungen zogen die Venetianer durchs Land und holten das Gold der
deutschen Berge, das nur sie zu gewinnen verstanden, in ihre ferne
Heimat. Nicht der kühne Handelsgeist der Seestadt schien dieser kind-
lichen Anschauung die wahre Goldgrube ihrer Bewohner zu sein, — es
musste eine besondere, unheimliche Bewandtnis damit haben, dass alle
Schätze der Welt in der Königin der Adria zusammenströmten. Wie
man auf diese Phantasieen kam, wie gerade Venedig eine so seltsame
Berühmtheit erlangte, verdient eine genauere Untersuchung. Lassen
wir zunächst die Berichte und üeberlieferungen für sich sprechen, die
in bestimmterer Form erhalten sind.

Beglaubigte Nachrichten über bergverständige Italiener, die ihren
Wohnsitz nach Sachsen verlegt hatten und sich, wie die Einwohner
des Landes, mit dem Silberbergbau und dessen Verbesserung beschäf-
tigten, gibt es nur sehr wenige. Das ist auch natürlich genug; der
sächsische Bergbau war lange Zeit einer der blühendsten in Europa,
und in den Städten des Erzgebirges hat es, wie ein älterer Autor be-
zeugt, nie an „spitzigen und anschlägigen Köpfen ** gefehlt, die beständig
auf neue Erfindungen und Verbesserungen im Bergwesen sannen. So
kam es, dass wohl andere Völker von den Bewohnern des sächsischen
Berglandes lernen konnten, aber schwerlich diese von Ausländern, am
wenigsten von Venetianem; den vielen nach auswärts berufenen sächsi-
schen Bergleuten stehen sehr wenige kunstverständige Einwanderer gegen-



37] Heinrich Schurtz, Der Seifetbergbau im Erzgebirge etc. 121

über. Ermisch erwähnt, dass man in der zweiten Hälfte des 14. Jahr-
hunderts Schwierigkeiten im Grubenbau durch Berufung sachkundiger
Ausländer zu haben suchte. Unter diesen finden sich die „Walen"
Nicolaus und Augustin von Florenz, die 1364 — 1368 als Münzherren
und Urburer der Landesherren genannt werden, aber trotz ihres be-
deutenden Einflusses auf den Bergbau doch eher Bankherren gewesen
sein mögen '). Auch unter den ältesten Freiberger Bürgemamen hat
Ermisch einige fremdartige entdeckt, darunter einen Meilacus de Pelli-'
peria, den er für einen des Bergbaues wegen eingewanderten Romanen
hält ^). Auf irgend welchen Zusammenhang mit italienischen Einflüssen
mag wohl auch die Thatsache hinweisen, dass im benachbarten Böhmen
das ehemalige Münzgebäude zu Kuttenberg den ^^^amen Wlaskey dwur
(Wälscher Hof) führt.

Untersucht man die zahlreichen Berichte über italienische Gold-
sucher, wie sie aus verschiedenen mehr oder weniger zweifelhaften
Quellen zusammenströmen, so entdeckt man bald, dass unter den Namen
der Walen oder Venediger, die als Grundbezeichnungen immer wieder-
kehren, sehr verschiedenartige Persönlichkeiten zusammengefasst werden.

Dass der Name „ Walen ** bei den germanischen Stämmen ur-
sprünglich nur die Kelten bezeichnete, hatte man in den Zeiten, denen
unsere Aufzeichnungen entstammen, längst vergessen. Unter Walen
oder Wälschen verstand man, wie noch jetzt, die Völker romanischer
Zunge, vor allem die Italiener, die Wallonen Belgiens, auch die Fran-
zosen, Spanier und die romanischen Völkchen der Alpen. Der zweite
Hauptname der Goldsucher, „Venetianer" oder „ Venediger **, wies ganz
besonders auf die Italiener hin, aber auch andere Romanen werden als
Walen bezeichnet. So erwähnt Kaspar Brusch „Wahlen, Venediger,
Spanier", Bruckmann^) nennt als Goldsucher im Fichtelgebirge die
„Wallonen, Venetianer, Meyländer, Modenenser, Brabanter undFlandrer".

Eine andere Quelle^) definiert die Walen als „Vallenses, Leute
aus den italienischen Thälern**, also Churwahlen, wie sie schon Albinus
kennt. Lehmann ist derselben Ansicht und nennt als Ort ihrer Her-
kunft ausserdem Walheim bei Mecheln in den Niederlanden ^). Zu-
weilen suchte man die Helden der Walensagen ganz in der Wirklich-
keit und geriet dabei auf die merkwürdigsten Abwege. Die Hausierer,
die im Lande umherzogen, standen ohne weiteres im Verdacht, ihr Ge-
schäft nur zum Schein zu treiben und in Wahrheit dem Golde des
Landes nachzutrachten. So wird behauptet, die edlen Geschiebe in der
Zschopau würden von „Wallonen und Ungarn, so hier Krumbholtz-
männer, weil sie mit Krumbholtz-Oel hausiren herum gehen, genennet
werden**, gesammelt und weggetragen^). Knauth spricht von „welschen
Terminierem oder ReflPträgern", Lehmann hat die Mausfallenhändler



^) H. Ermisch, Das sächsische Bergrecht d. Mittelalters, S. CXXIX. —
Codex dipl. Sax. reg. II, 13, S. 24.

2) Ermisch a. a. 0. S. XVni.

^) Beschreibung aller Bergwerke I, S. 83.

^) üresdn. Magazin II, 378.

'^) Nachricht von Wahlen S. 8.

^) Grundigs Sammlungen II, S. 169.



1 22 Heinrich' Schurtz, [38

im Verdacht, andere nennen Savoyarden, Zigeuner, Juden, und endlich
sind aus den Walen gar wallende Brüder, Landfahrer oder — fahrende
Schüler geworden ^).

Die Namen tragen also zunächst nur dazu bei , die Frage noch
mehr zu verwirren. Dem gegenüber muss es unsere Aufgabe sein, die
ältesten vertrauenswürdigen Angaben über die Thätigkeit der Walen
aufzusuchen und namentlich die Ansicht der ersten Geschichtschreiber
des sächsischen Bergbaues, Agricola und Albinus, kennen zu lernen.
In der That finden wir bei ersterem das Treiben der Walen nicht nur
geschildert, sondern sie sogar in voller Thätigkeit abgebildet; es lohnt
sich wohl, die wichtige Stelle ganz zu übersetzen. „Die Italiener,**
schreibt Agricola^), «die sich in die deutschen Gebirge begeben, um
Gold zu suchen, waschen den mit Goldflitterchen und Granaten^) ge-
mischten Sand der Flüsse in einem länglichen flachen Troge, der aus
einem Stück gearbeitet, innnen und aussen abgerundet und auf einer
Seite offen ist. Diesen Trog tauchen sie in der Weise in den Fluss,
dass das Wasser nicht hineinstürzt, sondern leise einströmt; den hin-
eingeworfenen Sand rühren sie mit einem hölzernen, ebenfalls abgerun-
deten Streichholz um. Damit aber keine Goldflitter oder Granaten mit
dem leichten Sande zugleich hinausfliessen , schliessen sie den off'enen
Teil des Troges durch eine an drei Seiten abgerundete Leiste ab, die
aber niedriger ist als die Seitenwände des Troges. Die Goldflitter aber
und die Granaten, die sich mit etwas schwerem Sand im Troge zu
Boden gesetzt haben, waschen sie im Flusse, sammeln sie dann in
Schläuche und tragen sie davon.**

Diese Angaben Agricolas zeigen uns die Ueberheferung bereits
ganz so entwickelt, wie wir sie auch später noch finden;* aber sie
scheinen auch zu beweisen, flass der älteste, verlässlichste Geschicht-
schreiber unseres Bergbaues thatsächlich Leute gekannt hat, die im
Gebirge Gold und Granaten Suchten und sich des Sichertroges be-
dienten, — 'falls er nicht seine Angaben nach Berichten anderer zu-
sammengestellt hat. Weit ungenauer spricht sich Albinus *) aus : „Was
für Bäche und örter oben auff dem Gebirge sein, so Meysen und Behmen
scheidet, welche. Gold führen und geben, sollen die Frembden, als
Welsche und andere Terminierer besser wissen als wir, wie die ge-
meine rede gehet ; . . Sonderlich sollen viel schwartze Graupen , wie
man sie bei [b]Schlackawerda[/b] waschet, und Gold draus macht, aus diesem
Lande weggetragen werden." Albinus weiss nichts von der anscheinend
später entstandenen Sage ^), dass der Entdecker des Schneeberger Silber-
segens die gefundenen Erze zunächst einigen Italienern in Görkau ge-
zeigt habe, „die dort Gold suchten".

Nach späteren Berichten ist auch das Goldseifenwerk zu Mittweida
durch die Walen entdeckt worden ^), ebenso Goldwäschen bei Bischofs-



») Nachr. v. Wahlen S. 9. — Miscell. Saxon. II, S. 207.

2) De re metallica Cap. VIII, S. 267.

^) „Carbunculis, maxime Carchedoniis, mistas".

*) Bergchronica S. 125.

») Oesfeld, Städte i. Erzgebirge, II, S. 123.

«) Flasch a. a. 0. S. 495.



39] ^^^ Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 123

werda *). An einzelnen Angaben über Bergbau d'er Walen fehlt es in
bistorischer Zeit nicbt. Vom Jahre 1592 stammt eine Nachricht, der-
zufolge bei Krasnahora unweit Knjn in Böhmen auf einem Berge
Spiessglanz und wunderbare Körner gefunden werden, welche die Wäl-
schen sehr weit trägen sollen ^). Knauth bezeugt, dass man bei Ross-
wein
oftmals Walen über dem Goldsuchen betroffen habe; einer dieser
„welschen Terminierer oder Reffträger" habe aus dem Erzgebirge so
viel Gold weggetragen, dass er sich in Venedig sieben Häuser bauen
konnte^).* Leonhardi behauptet in seiner „Beschreibung Chursachsens**,
dass die Venetianer wirkliph im 17. und 18. Jahrhundert in der Weisse-
ritz bei Dresden
Gcrld gesucht hätten, bis sie einsahen,
dass sie bei der Arbeit nicht auf ihre Kosten kamen. Vermutlich hat
Leonhardi sich auf die Angaben des phantastischen Dr. J. G. Lehmann
gestützt, der fest an die Walenberichte glaubte und eigene Beobach-
tungen veröffentlicht hat*), die ich schon deshalb wörtlich mitteilen
möchte, weil sie das Entstehen oder doch die Wiederauffrischung mancher
Walensagen deutlich erläutern. Er schreibt über die „landläuffligen
Savoyarden** : „Diese Leute kennen würklich unser Land und die dar-
innen befindlichen unterirdischen Schätze ^besser als Vir selbsten. Sollte
jemand daran zweiffein, der gebe nur auf dieser Leute Herumkriechen
in unsern Wäldern Achtung, ja was sage ich, in unsem Wäldern?
Man gehe nur Abends im Sommer an unsere Weistritz, und sehe mit
wie vielem Fleisse dieses Volk die in diesem Wasser befindliche Land-
Edelsteine , als Fluss, Jaspis, Granatenfluss, Türkißen u. s; w. auflesen,
und wir sind so nachlässig, solche nicht einmal anzusehen, bis wir
solche geschliffen, und bisweilen auch durch Glühen etwas verändert,
wieder aus Italien bekommen und vor Orientalische bezahlen. Eben
also Jesen sie sich die in unsern Wässern und Bächen befindlichen
Gold-Körner sehr behutsam auf, und wissen mit dem Sichertroge so
gut umzugehen, als ein Bergmann . . . denn dieses Volk braucht ohne-
dem seinen öffentlichen Handel nur zum Vorwand, um desto besser im
Lande herum zu schwärmen, und ihr Geitz. würde gewiss nichts an
diese Sachen wenden, wenn es nicht mit grossem Nutzen geschähe/
Auch das Schmelzen des Goldes will Lehmann beobachtet haben. Er
errang freilich in dem skeptischen 18. Jahrhundert mit seinen Behaup-
tungen nur geringen Beifall. Ein andrer Dresdner Gelehrter, Dr. C. Hof-
mann, äusserte sich kurz darauf und offenbar mit Bezug auf Lehmanns
Angaben dahin ^), dass er den Plauenschen Grund nicht wegen seines
Goldreichtums anpreisen könne, „als wenn er ihn deswegen für ein klein
Peru rühmen wolte, weü einige Savoyarden allda unter freyem Himmel
vielleicht eine imgemachte Wasser-Suppe gekochet". Dennoch fehlt
es selbst aus unserem Jahrhundert nicht ganz an Walenberichten. Gerlach
sagt ^) , dass man noch neuerdings Fremde auf Walenstreifzügen im



') Gerber, Unerkannte Wohlthaten Gottes, I, S. 85.

2) Sternberg, Böhm. Bergbau, I, 2, S. 47.

*) Alten-Zelle I, S. 67. .

*) Grundigs Sammlungen z. Natur- u. Kunstgeschichte I, S. 584.

s) a. a. 0. II, S. 54.

*) Mitteil. d. Freiberger. Altertumsvereins S. 995.



124 Heinrich Schurtz, [40

«

Gebirge bemerkt haben will, und SchiflFner schreibt 1839, dass noch
immer ^Wahlen" nach [b]Rothensehma[/b] kämen, um Goldgranaten aus den
Bächen zu seifen ^). Auch aus dem Fichtelgebirge liegen neuere Be-
richte vor ^).

Neben diesen bestimmten Angaben laufen eine 'Unzahl Walensagen
her, die' zum Teil ganz märchenhaft und phantastisch sind und zur
Aufhellung der Thatsachen zunächst wenig beitragen. Aber wir haben
noch andere Zeugnisse, die uns über die Thätigkeit der Walen und
über die Orte, die ihnen Gold lieferten, vollsten Aufschluss *zu erteilen
scheinen, — die sogen. Walenbücher. .

Die Walenbücher bestehen sämtlich aus einzelnen, zusammen-
getragenen Notizen über Goldvorkommnisse in den deutschen Mittel-
gebirgen (namentlich Erzgebirge, Fichtelgebirge, Harz- und Riesen-
gebirge). Albinus kennt bereits derartige Bücher ^) ; Genaueres über ihr
Alter zu sagen ist aber schon deshalb schwer, weil die vorhandenen
Niederschriften auf älteren Notizen beruhen mögen, die von den Ab-
schreibenden sprachlich verändert und erneuert worden sind. Dass ihnen
der Volksmund ein ziemlich hohes Alter zuschreibt — er lässt sie aus
dem 13. oder 14. 'Jahrhundert stammen — , will nicht viel besagen.
Eine einzige, öfter vorkommende Wendung „einen Armbrustschuss weit**
spricht wenigstens für ein gewisses Alter fler Bücher. Die mir be-
kannten Aufzeichnungen sind in deutscher Sprache abgefasst, und dem
ältesten Geographen des Fichtelgebirges, Kaspar Brusch, ist schwerlich
zu trauen, wenn er behauptet, dass sie ursprünglich „Wahlisch, Frantzösisch
und aufs Niederlendisch Teudsch" geschrieben seien. Mit den berg-
männischen Ausdrücken zeigen sich die Verfasser oft wenig vertraut;
„gediegenes Golderz" wird z. B. häufig er\^ähnt. Um zunächst die
Eigenart der Schreibweise und des Inhalts zu verdeutlichen, wähle ich
einige Angaben aus, die als typisch gelten können, zunächst ein paar
von den zahlreichsten und merkwürdigsten, die das Seifen der „Gold-
erze" betreffen^):

„Zu Eibenstock ist, ein Goldbrunn, da suche und sichere, du findest
schwarae Kömer, gilt ein Pfund vierzehn Gulden."

„Gehe zu Lengenfeld beim Schaller im Bach, findest du Gold-
körner, die lassen sich flötzchen, auch gibt's Flammengold in etlichen
Brunnen. "

„Item an der Wernsbach, eine Meile von Kämmerswalde jenseit
der Flöh liegen schwarze und braune Kömer
, der Centner hält sechs
Mark Silber, ist genugsam zu waschen des Tages einen Centner.
Darnach gehe unter der Steinkluft, daselbst fließt ein Wasser zur
Linken, gehe diesem nach in Grund, da verlierst du die Wasser an
etlichen Enden, steht da eine zweyfache Buche, thue fünfzehn Schritt^
lege dich auf die Erde, da rauscht ein Wässerlein ; räume das Gemöße



') Sachsen I, S. 342.
. 2) ?apf, Sagenkreis d. Fichtelgebirges, S. 101.
3) Bergchronica S. 88.

•*) Sämtliche Beispiele sind Lehmanns ^Nachricht von Wahlen* ent-
nommen.



41] Der Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 125

weg, da findest du gediegen Gold, als Bohnen und Erbsen -groß, ist
dunkel, pechschwarz, und dieses Wasser haben die Venetianer auf zwey
Königreiche geschätzt, ist der reichste Grund unter andern."

Bey Kranzagel und Preßnitz gehet eine Brücke über ein Wasser,
daneben steht ein Baum mit einem krummen Ast, wie ein Arm, da
findet man schwarze Kömer, die man kann auf einem Ambos flötzschen.*^

Auch Zinn wird einmal erwähnt: «Bey Pilßen liegt Rammnitz,
ein Dorf,, ein blaM Bergwerk, darunter fließt ein Bächlein oben von
einem andern *Dorfe her, ist ein Steinbruch von rothem Sandsteine, da
ist noch ein klein Bächlein sdlthalben darein fallend, da findet man
schwarze Zwitter, auch Goldkörner/

Bei der folgenden Stelle scheint die Notiz an'gite Schlackenreste
. anzuknüpfen und bietet zugleich eine jener Schatzsagen, wie sie allent-
halben mit besonderer Schnelligkeit im Volke entstehen: „Ehe du gegen
die Pihla bey Zwickau kommst, da Nicpl vom Ende wohnt, mußt du
durch einen Graben gehen, heißt der Rentgraben, da h^ts gut Gold,
das die Wahlen vom Stein gehauen und geschmelzet, davon findest du
noch gediegene Schlacken (!) in alten Stollen. Den Graben hinauf, und
wende dich die Fährstraße auf die rechte Hand nach der Pila (Viela)
zu, wirst du einen alten Stollen finden, der eingesunken, darneben ist
ein Birnbaum mit A und ein Stock »mit B gezeichnet, öflEhe den Stollen,
auf der linken Hand findest du wohl hinein unter einem Mäuerlein zwey
Päßlein mjt ^ gediegenem Glaserz , und ein Päßlein voller geschmelzter
Silberkuchen, sind von St. Georgen auf Schneeberg, darein ein treu-
loser Factor sie versetzet, und bis dato dasselbe liegen blieben."

Zuweilen finden sich auch Angaben über die Verfasser und über
die Reichtümer, die sie erworben haben ; so heisst es von einem Bache
bei Frauenstein naqli einer längeren Beschreibung der Gegend: »Folge
dem Graben nach, so kömmst du an das Floß, da sind rothe Fische
darinnen, sprenglich, dasselbige Floß trägt Körner, die sind fein grau,
habe ich N. Marcus selber neulich Goldkörner daselbst gewaschen auf
drey Tage wohl vor 40 Gulden, und ich merkte nicht anders, denn gut
Gold zu haben. Auch zum Bekenntniss habe ich Hieronymus Piger
allda mir erworben das genugsam, dass ich zu Venedig habe gekauft
Haus und Hof; auch merke, daß die Körner schwerlich seyn* zu er-
kennen, wann sie naß sind.**

Zum Schluss möge noch eine interessante Anweisung folgen, in
der Vorsicht gegenüber den misstrauischen Landesbewohnem empfohlen
wird: „Frage nach dem Warmen Bade (bei Hirschberg in Schlesien)
und verhalte dich, daß du nicht verdächtig wirst. Frage nach einem
Dorfe Schreibeheim, und gieb dich allein nicht bloß, denn # viel Aschen-
brenner da seyn in der Gl^ishütte bey einer Kirche ... So dich jemand
fragt, so sprich: du bist ein Kräutner, denn sie wissen wohl, daß
malncherley Kräuter und Wurzeln da wachsen . . . Grabe hinein , wo
die Ruthe hin zieht, so findest du Körner, als die Erbsen" u. s. w.

Sehr häufig werden „Goldgänge** genannt, fem er goldhaltige Letten,
Markasit; auch auf Edelsteine wird aufmerksam gemacht, z. B. bei
Wolkenstein auf Amethysten, wo sie in der That zu finden sind. Fast
allen Goldvorkommnissen ist gemeinsam, dass das Metall, auch wenn



12ö * Heinrich Schurtz, [42

es als gediegen angeführt wird, keine Goldfarbe hat, sondern dunkel,
pechartig, grünlich u. s. w. aussieht. Es wird sich kaum lohnen, die
Zahl der Beispiele zu vermehren, da der Grundgedanke und die Aus-
drucksweise fast immer dieselben sind.

Die Titel der Bücher sind oft sonderbar und wohl sämtlich von
späteren Abschreibern oder Verlegern verfasst; ein paar Beispiele werden
auch hier genügen. Im Staatsarchiv zu Dresden befindet sich ein
Walenbuch mit folgendem Titel: „Verzeichnis, wie Jero und Micha
beyde Gebrüder sind ausgezogen zu suchen, wie sie es* denn auch ge-
funden und viel Gold und Silber aus aller Landschaft deutscher Nation
nach Venedig getragen, dazu allerley Edelgestein, und zu Venedig
großen Ruhm damit erlanget. A. 1590 den 15. Februarij durch Herrn
Mattl^as R. München zu Gamitz ^gner Handschrift abgeschrieben.***
Ein anderes Manuskript in der Freiberger Ratsbibliothek, anscheinend
vom ;^de des 17. Jahrhunderts, ist überschrieben: „Johannis Wähle,
eines Venetianers, und andrer alter Urkunden und Nachrichtungen, wo
hin und wieder im Römischen Reiche Gold- und Silber-Erze, Gold-
Körner, Waschwerk, SeiflPenwerk u. s. w. zu finden sein sollen" ^).
Andere Titel sind z. B. „Aufrichtig entdeckte Scheidekunst derer Vene-
tianer** (Saalfeld 1717), ferner „Probier- und Schmeltzbüchlein von dem
Welschen Waradein zu Landuna, liuf alle wilde strenge Erze, die sie
auf gemeine Arbeit in deutschen Landen nicht zu gut machen können,
auch auf allerlei Körner, die Silber oder Gold bei sich* haben, mit samt
einer gewissen Quick- Arbeit auf Marcasit** (1648). Vielfach sind Walen-
berichte noch ausserdem abgedruckt oder in andere "Werke aufgenommen
worden, da sie früher ausserordentliches Interesse erregt haben ^).

Fassen wir die unter so pomphaften Titeln .vereinigten Notizen-
sammlungen tiäher ins Auge, so schwindet freilich der scheinbare Reich-
tum von Angaben gewaltig zusammen und wir entdecken, dass wir es
in der Hauptsache immer mit Wiederholungen derselben Berichte zu
thun haben. Meist ist bei den einzelnen Bemerkungen angegeben, von
wem sie stammen, so dass es scheint, als ob den Walenberichten die
Notizbücher einiger „Venetianer** zu Grunde lägen. Das ist auch die
ursprüngliche Volksauffassung. In der „Beschreibung des Fichtelberges**
ist die Rede von „zu unterschiednen Zeiten in den ßerghöhlen hin und
wieder gefundenen Manuscripten oder in allerhand frembdien Sprachen
geschriebenen Büchlein** ; andere lassen die Walenbücher von den ur-
sprünglichen Besitzern durch Raub oder Erbschaft auf die Einwohner
des Landes übergehen, während Lehmann^) bekennt: „Wie aber diese
Wahlenbücher endlich in der Sachsen Hände gekommen Sein mögen,
das ist nir^nds genau zu finden**.

') Gerlach, Mitt. d. Freib. Altertumsv. ^. 1000. 996.

2) Die mir bekannten nennenswerten Schriften, die Walenberichte geben,
sind: Lehmann, Obererzgebirg. Schauplatz, 1699. — Beschreibung des Fichtel-
berges 1716. — Bruckmann, Beschreibung aller Bergwerke, 1727. — J. G. Leh-
mann, Nachricht von Wahlen, Frankfurt u. Leipzig 1764. — Hörn, Sächsische
Handbibliothek. — David Kellner, Berg- u. Salzwerkbuch. — MiscelL Saxon.
1768. — Ger lach, MitteiL d. Freib. Altertumsv. — Zapf, Sagenkreis d. Fichtel-
gebirges. — Grä'sse, Sagenschatz d. Königreichs Sachsen, 1855, 2. Aufl., 1874.

^) Nachricht von Wahlen S. 20.



43] I^er Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 127

Was zunächst die so oft erwälinten „Golderze" betrifft, so ist
darauf hinzuweisen, dass das Gold bekanntlich fast stets gediegen,
höchstejis in Legierung mit anderen edlen Metallen in nennenswerter
Menge auftritt. Zu den goldreichen schwarzen Körnern und Granaten,
zu den reichen Letten und Markasiten schüttelt der Mineratog bedenk-
lich den Kopf. Die oft als Anhang zugegebenen merkwürdigen An-
gaben über das Versetzen und Verblenden von Schätzen, über Mittel
sich unsifchtbar zu «nachen oder Perlen in einem Glase zu erzeugen,
können unser Zutrauen nicht gerade erhöhen. Aber auch die Namen
der Walen, auf deren Autorität hin wir so wunderliche Dinge glauben
sollten, geben uns wenig Aufschluss.

Dass Namen wie „Johannes Wähle** oder „Antonius Wahl** er-
funden sind, ist zweifellos; andere sind nicht viel vertrauenswürdiger.
So haben sich angeblich von 1400 — 1608 nach und nach folgende
Personen aus Venedig und anderen Städten Italiens im Gebirge auf-
gehalten: D. Marcus und M. Hieronymus» aus Venedig, Piger oder
Pagart, Antonio von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nicolaus
Schlascau oder Schlasskan, Adam und George Bauch, Christoph und
Hanns, Friedrich und Barthol, Frattes, und Moses Hojung von Venedig ^).
Den Bastian Dersto nennt Flasch Deosso.

Man erkennt sofort, dass Leute als Venetianer bezeichnet werden,
deren Name zum Teil vollständig gegen ihre Herkunft aus Italien
spricht. In Annaberg .soll im Jahre 1514 gar, ein „Wale** Johann
Mengemeyer auf Anstiften seiner Genossen ermordet worden sein, weil
er die Schmelzkunst der Walen, mit deren Hilfe sie aus den Anna-
berger Erzen reichere Erträge gewannen als die einheimischen Berg-
leute, an die letzteren verraten hatte. Indes ist Mengemeyer erst durch
eine ' kühne Kombination Lehmanns zu ein«m Walen gestempelt wor-
den *). Ein Wale Namens Johann Beage ist angeblich 1685 zu Frauen-
stein verstorben und Jiat ein „ Schieferbüchlein ** hinterlassen, dessen In-
halt noch erhalten ist ^). Ein Bürger von Wunsiedel endlich, Siegismund
Wann, soll eine Walin zur Frau gehabt haben, die, das Gold vom Zinn
zu scheiden verstand und ihren Gatten zum reichsten Mann der Stadt
machte. Er soll 1469 zu Eger verstorben sein*).

Als Verfasser der Walenbücher finden sich angeführt Gratianus
GrundeUi, Güzdel, Sebastian Verso, Giovanni Camero, Joh. Schott, Wei-
gard und einige* „unbekannte Venediger**. Balbinus -erwähnt ein Buch
eines Kaufmanns Joh. Majer Augustanus, der nach mannigfachen Un-
fällen auf den Rat eines alten Italieners im Riesengebirge Gt)ld suchte
und zu Reichtümern gelangte^). Der schon erwähnte Nikolaus Schlass-
kan soll einige Notizen über Neustadt bei Stolpen im Jahre 1427 ge-
schrieben haben ^), — Da von all diesen Leuten in unverdächtigen ür-



1) a. a. 0. S. 11. — Miscell. Saxon. II, S. 308.

2) Nachricht von Wahlen S. 10.
') Grässe, Sagenschatz, S. 178.
^) Nachricht von V^ahlen S. 1^.

^) Mise, histor. regni Bohem. (Brück mann 11, S. 779.]
») Nachricht von Wahlen S. 63.



128 Heinrich Schurtz, [44

künden nichts oder doch keine Notiz über ihre Eigenschaft als „Walen**
zu finden ist, fördern uns auch ihre Namen nur wenig.

Genaueres können wir, da die Walenbücher schon seit Jahrhun-
derten bekannt sind, über den Einfluss berichten, den sie auf die Ein-
wohner des Landes ausgeübt haben, und damit zugleich feststellen,
was von den fabelhaften Behauptungen der Bücher zu halten ist. Durfte
doch selbst die Regierung nicht gleichgültig den Gerüchten gegenüber-
stehen-, die von der heimlichen Entführung ungeheurer Schätze nach
Italien oder in andere fremde Länder umgingen. Der Bergbau war
Regal" und der Staat erhob in günstigen Zeiten eine gewaltige Steuer
von dem gewonnenen Metall ^). Mit Misstrauen beobachtete man daher
alle verdächtige Thätigkeit an Flüssen und Bächen, und wenn es auch
nicht gelang, Sie sagenhaften Walen selbst zu ertappen, so fiel dafür
zuweilen der Besitzer eines Walenbuches in die Hände der wachsamen
Obrigkeit. Ein lehrreiches Beispiel, wohin allzu blindes Vertrauen in
die verlockenden Angaben, der BücTier führte, ist uns glücklicherweise
ausführlich erhalten.

Am 9. Juli 1676 war es, als unter grossem Zulauf des Volkes
der Oberst George Ernst von Schallen aus der Mark nebst zwei Be-
gleitern in das Amtsgefängnis zu Hohnstein (bei Dresden) eingeliefert
wurde. Der jedenfalls etwas leichtgläubige Offizier mochte von Schulden
bedrängt sein, die ihm die Eröffnung neuer Geldquellen zur Pflicht
machtto. Sein Unstern liess ihm eines der W^alenbücher in die Hände
fallen und leider setzte er so wenig Misstrauen in dessen phantastische
Angaben, dass er sich eines Tages mit seinem Quartiermeister und einem
Glockengiesser zu einem abenteuerlichen Streifzug in die goldreichen
Gebirge aufmachte. Schon hatte er einen Teil von Schlesien und
Böhmen durchzogen, als man endlich in Sachsen auf sein verdächtiges
Beginnen aufmerksam wurde und ihn samt seinen Gefährten in Ge-
wahrsam nahm; die Verhafteten wurden scharf gxaminiert, beteuerten
ihre Unschuld und baten dringend um ihre Entlassung, da sie keinen
Groschen Geld mehr hätten. Man gab sie denn -auch frei, nachdem
man ihre Schriften * kopiert und von den zweifelhaften Erzen, die sie
mit sich führten, einige Proben entnommen hatte. Ein Zeugnis, dass
sie nichts G:esetzwidriges begangen hätten, wurde ihnen überdies auf
ihren besonderen Wunsch ausgestellt^).

^) Diese Abgaben waren (nach den* Anmerkungen zum , Entwurf eines Berg-
gesetzes**) : •

a) Das Quatember- oder Rezessgeld, eine Abgabe, welche für die Belehnung mit
dem ßergwerkseigentum von letzterem nach Massgabe der Grösse des verliehenen
Grubenfeldes entrichtet wurde. •

b) Der Zehnte, eine Abgabe von der Produktion oder dem Rohertrage des
Bergbaues.

c) Eine Abgabe, welche der Staat vermöge des Vorkaufsrechts teils indirekt
(beim Silber) durch eine gegen den wahren Wert zurückbleibende Bezahlung
der Produkte, teils direkt (beim Silber) als Schlägeschatz oder (beim Kupfer,
Kobalt und Eisenstein) durch Erhebung eines für Gestattung des freien Ver-
kaufs der Produkte festgestellten Konzessionsgeldes bezog.

Das Gold war durch besondere Bestimmungen ursprünglich noch höher be-
steuert als das Silber.

2) Otia metallica, III, S. 457. 463.



45] I^ör Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 129

Dieser Vorgang war nicht der einzige seiner Art. Schon 1564
berichtete Wolf v. Trützschler, Hauptmann zu Zwickau, an den Kur-
fürsten, dass er bei Werdau drei Kerle festgenommen habe, die heim-
lich Erz gruben und sich rühmten, ein altes Walbüchlein zu besitzen,
auch die alten Zeichen an Bäumen und Felsen gefunden zu haben.
Der eine dieser Pseudowalen stammte aus Tachau, die anderen beiden
aus Böhmen und Steiermark ^). Im lautersteinischen Amte sollen Vene-
tianer verhaftet worden sein, die am Goldbrunnen bei Lengefeld Gra-
naten sammelten^), und der Richter Rebentisch soll im 15. Jahrhundert
einen Walen am Bärenstein ergriffen haben ^).

Eine ziemlich eingehende Schilderung, wie man auf Grund von
Prophezeiungen und Walenberichten am Bärenstein Versuche angestellt
hat, findet sich im „Dresdner Magazin" (II, S. 386). Noch 1688 suchte
ein gewisser Melzer in der dortigen Gegend nach Anbrüchen, die in
den Walenbüchern verzeichnet waren ; man fand sie auch, konnte aber
nichts daraus machen ^), ebensowenig wie aus anderen angeblich reich-
haltigen Materien der Zeche Nestling bei Schlacken werda^). Bahn
erzählt, dass einige Einheimische die in den Walenbüchern gerühmten
Körner aus den Bächen bei Frauenstein, namentlich der Gimlitz, ge-
sammelt hätten, dass aber niemand etwas damit anzufangen wisse ^).
Ein Goldbergbau bei Adorf, der 1708 auf die Aussage von Ruten-
gängern und alte Prophezeiungen hin unternommen wurde, misslang
aufs kläglichste'') Ganz ebenso endete ein anderer Bergbau, den ein
gewisser Härtel bei Zwickau begann, verlockt durch die Angaben der
Rutengänger und Walenbücher. Ein Chemiker wurde angestellt, der
nun freilich aus dem braunen Sande, den man zu Tage förderte, keine
Spur von Gold auszuschmelzen vermochte.
Durch allerlei Ränke Härteis
gereizt, schrieb er eine Abhandlung über den Fall, die ganz ohne die
Absicht des Verfassers ein anziehendes psychologisches Gemälde ge-
worden ist®); wir können .den Inhalt übergehen und -wollen nur die
Angabe des weitgereisten Scheidekünstlers anführen, dass er in Italien
durchaus keine tieferen chemischen Kenntnisse und überhaupt nichts von
dem gefunden habe, was die Waleberichte den Venetianern und anderen
Wälschen anzudichten suchen^).

In Bischofswerda lebte angeblich noch „bis in die neueste Zeit**
ein Greis Namens Cerisi, der von einem Walen abstammte, aber trotz
aller Bemühungen nichts finden konnte und arm gestorben ist^^).

Entscheidend für den Unwert der Walenberichte sind, zwei Ur-
teile, die ich wörtlich folgen lasse. Das eine stammt von dem berg-



') Schur ig, Bergbau i. Vogtland, S. 39.
^) F lasch a. a. 0. S. 403.
^) Dresdn. Magazin II, S. 386.
*) Mise. Saxon. II, S. 329.
^) a. a. 0. S. 330.
^) Frauenstein S. 13.
') Schurig a. a. 0. S. 43.

®) C. V. N., Beschreibung des ohnweit Zwickau, zu Nieder-Hohendoi-f, ge-
fundenen goldischen Sandes. Zwickau 1696.
^) a. a. 0. S. 11.
1°) Winter, Constit. Zeitung, 1853, S. 383.



130 Heinrich Schurtz, ^^Q

erfahrenen Lazarus Erker, das andere von einem in Theorie und
Praxis gleich tüchtigen Bergbeamten, dem Markscheider Beyer in
Schneeberg. Erker ^) schreibt um 1598: \ Darnach ist auch eine ge-
meine red bey uns in Teutschen Landen, von allerley art körnem, so
in vielen Landen, in Gebirgen und Bächen gefunden, und von den
Außländem und Landfahrem weg getragen werden, derer etUche kiessig,
eines theils Braun, gelbicht, auch schwartz, und jni^wendig als ein GlaE,
und von der Proportz gemeiniglich rund auch quadrat seyn, auß wel-
chen man Golt solle machen. Für meine Person aber halt ich von
solchem gar nichts, denn ich derselben kömer auflP mancherley weg im
Fewer und sonst versucht habe, aber niemals kein Golt darinnen finden
können. So viel hab ich aber von glaubwürdigen Personen, die von
solchen Landfahrem gründlich berichtet worden, dass solche Kömer
kein Golt bey sich haben, ward auch keins daraus gemacht, sondern
durch sie die Landfahrer in Italiam und andre örter, umb einen Lohn
hingetragen, als zu einem Zusatz, darauß schöne Farben und Schmeltz-
glaS gemacht werden. Welche Farben oder Schmeltzglaß man bey
jhnen so hoch achte, und so teuwer verkauffe, als wann es Golt were.
Welches dann der Vernunfft gemäß und wohl zu glauben ist.**

Beyer ^) äussert sich um 1758 folgendermassen : „Es ist an dem,
wenn man die Wahl- oder Wallbücher betrachtet, dass es denen Ver-
fassern und denen Lesern, so darauf bauen, in Ansehung der Begierde,
dadurch Gold zu waschen und zu finden, eben wie den Patienten er-
gehet, welche die gelbe Sucht am Halße haben, und also alles für gelb
ansehen. Dahero denn auch wahrgenommen, wenn man einige dar-
innen angegebene Orte und Zeichen gefunden hat, man insgemein aller-
hand schwartze, lothe, gelbe Granaten oder eine besondere Gangart
oder Gesteine antrifft. Allein daß man daraus Gold oder viel Silber
durch Probieren herausbringen können, habe niemahls wahrgenommen. . . .
Es scheint alsp, dass endlich die Wahlen oder wallende Brüder wie
die ehemaligen Kosencrantz-Brüder gar unsichtbar werden. . . . Unter-
dessen ist es doch nicht zu leugnen, daß man Orte antrifft, wo der-
gleichen in Felsen eingehauene oder an Flüssen und Bächen angegebene
Zeichen nach Anweisung dergleichen Wahlbücher und dabey auch be-
sondre Erden, Granaten und Gangr Arten gefunden werden."

Diesen Zeugnissen gegenüber ist von dem Gedanken, dass die
Walenbücher von wirklichen Gold Vorkommnissen Kunde geben, ganz
abzusehen. Dennoch kann es sich nicht um eine blosse Mystifikation
handeln; dagegen sprechen die Berichte, die von wirklichen Gold-
suchern zu erzählen wissen, dagegen spricht namentlich auch die un-
zweideutige Angabe Agricolas. So bleibt die schwere Frage zu be-
antworten, was denn eigentlich den Walensagen Wahres zu Grunde
liegt und was die Walenbücher bedeuten.

Die Einheimischen, die durch die Angaben der Bücher zum Gold-
suchen verlockt wurden und dadurch den Walensagen neue Nahrung
gaben, sind schon erwähnt; veranlasst können sie natürlich die schon



') Beschreibung d. allerfümehmsten Erk. u. Bergwerksarten, S. 42.
2) Otia metallica, III, S. 455 ff.



471 J^er Seifenbergbau im Erzgebirge ynd die Walens^en. 131

vorhandenen Berichte nicht haben. Eine kurze Bemerkung ab^r ver-
dienen zunächst zwei exotische Volksstämme, die unter den Walen
mit genannt werden, — die Zigeuner und die Juden.

Dass man die Zigeuner als Goldsucher hinstellt, mag seinen guten
Grund haben. Unter den leichten Arbeiten, zu denen die Angehörigen
des ruhelosen Völkchens sich hie und da, namentlich in Rumänien
und Ungarn, bereit finden lassen, ist das Goldwaschen nicht an letzter
Stelle zu nennen. Was liegt näher, als dass sie auf ihren Wanderungen
die Kunst an geeignet erscheinenden Stellen zu üben versuchten. Sie
werden im Erzgebirge auf diese Weise keine grossen Schätze gesam-
melt haben, aber es ist wohl möglich, dass man sie zuweilen bei ihren
Versuchen ertappt hat, bei denen sie übrigens auch wohl auf Zinn-
graupen oder Halbedelsteine ausgegangen sein mögen.' Im Zinngebiete
von Eibenstock fliesst bei Steinheide der Zigeuner bach , der an solche
Thätigkeit des wandernden Volkes erinnern mag; ein Berg Zigeuner
liegt bei Rittersgrün, ein Zigeunerbom bei Grünhain. Von sagen-
haften Zigeunerinnen, die Bergwerke verwünschen, weiss man im Voigt-
lande und im Fichtelgebirge noch zu erzählen.

Eine ganz andere Bewandtnis scheint es mit den Juden zu haben.
Wir finden sie in Sachsen und den Nachbarländern sehr früh in nicht
eben löblicher Weise beschäftigt, — sie sind als Menschenhändler thätig *).
Wichtiger ist, dass sie sich später auch auf den Metallhandel legten»
eine Beschäftigung, die sie in England schon uhi 1300 mit ihrer Ver-
treibung büssen mussten ^). Ein ähnliches Schicksal beschworen sie in
Sachsen auf sich herab, da sie bei ihrem Handel die Rechte des Landes-
herm auf Zehnten und andere Gefälle (s. oben) nicht sehr beachtet haben
mögen. Saida z. B. war durch die Juden zu einem wichtigen Platze
des Metallhandels geworden, aber als im Jahre 1465 die Stadt nieder-
brannte, benutzte man die Gelegenheit, die Juden zu verdrängen^).
Juden als angebliche Käufer goldhaltigen Zinns — schon ein Ueber-
gang zu den Walensagen! — erwähnt Oesfeld*). In den Jahren 1536
und 1543 erfolgten scharfe Ausweisungsbefehle gegen die Juden; nament-
Hch in den Bergstädten, hiess es, seien sie nicht zu dulden, „weil vor-
hero in der Zwickauischen Pfiege die Juden denen köstlichen Schnee-
bergischen Silber-Ertzen nachgetrachtet und sie außerhalb « Landes
verschleiffet hatten.** Noch 1708 wurde bei Altenberg „wegen der
häufig herumschweifenden Juden und Zigeuner** ein Schnellgalgen an
der böhmischen Strasse aufgerichtet^) und 1715 wurden die Strassen-
bereiter angewiesen, auf die Juden und die proskribierten Zigeuner be-



') Markgraf Gunzelin von Meissen wurde 1009 von dem Fürstengericht be-
scliuldigt, die Familien vieler Leibeigenen an die Juden verkauft zu haben (T biet-
mar VI, 36). Zur Zeit Adalberts von Pr^g, als das Heidentum in Böhmen wieder
die Oberhand gewann, wurden viele christliche Gefangene an die Juden ver-
handelt (G lesebrecht, Wend. Gesch. I, 270).

^ Reyer, Zinn, S. 125.

') Sachsens Kirchengalerie XII, S. 210. Nach Hering (D, sächs. Hoch-
land I, S. 79) trug sich das Ereignis erst 1599 zu.

*) Erzgebürg. Zuschauer I, S. 240.

*) Meissner, Altenberg, S. 473.



132 • Heinrich Schurtz, [48

sondeBS acht zu geben. Namentlich der Kobalthandel, der ein Regal
war, hatte von Schmugglern viel zu leiden; 1685 wurden „zum Schrecken
und Abscheu derer Kobald-Diebe** drei Galgen auf dem Gebirge auf-
gerichtet^). Eigene Kobaltreiter bewachten die Strassen, machten zu-
weilen einen Fang oder halfen auch wohl selbst stehlen^). — Da man
den Namen der Juden immer mit dem Metallschmuggel in Verbindung
brachte, konnte man gelegentlich so weit gehen, sie unter die geheimnis-
vollen Walen einzureihen, und so mag z. B. die Ansicht Lehmanns zu
erklären sein, dass aus dem Judenbrunnen bei [b]Kühnheide[/b] Wallonen und
Juden vor zeiten Goldkörner geholt haben*).

Mit dieser Aufklärung rückt freilich die Deutung der eigentlichen
Walensagen kaum um einen Schritt vorwärts. Es ist zunächst die
Frage, was man an den Orten geß,ucht haben mag, die in den Walen-
büchern verzeichnet sind. An Versuchen, diesen Notizen einen ver-
nünftigen Sinn unterzulegen, hat es nicht gefehlt; ob aber mit einer
einzigen Deutung auszukommen ist, ob wir überhaupt hoffen dürfen,
auf diesem Wege zu einer völlig befriedigenden Erklärung zu gelangen,
ist sehr zweifelhaft.. Stellen wir einmal die verschiedenen Möglichkeiten
zusammen.

Man könnte zunächst an die Zinngraupen denken, die allerdings
in ihrem äusseren Ansehen den in den Walenberichten so oft genannten
„schwarzen, runden Kömern, die sich fletzschen lassen", einigermassen
entsprechen. Einer Privatmitteilung des Herrn Dr. Steinecke in Halle,
dem ich dafür. zum grössten Danke verpflichtet bin, entnehme ich, dass
im Fichtelgebirge thatsächlich viele Angaben der Walenbücher auf alte
Zinnwäschen führen haben, die von einer
Ausbeutung der Seifen durch fremde Völker und in längstvergangener
Zeit berichteten ? War es femer nicht fast selbstverständlich, dass das
Volk die einfachen Thatsaehen übertrieb, die Zinngraupen zu Gold-
granaten werden Hess, und dass durch das Nachsuchen nach den ge-
heimnisvollen Gesteinen neue Sagen und sogar geschriebene Berichte
gläubiger Goldsucher hervorgerufen wurden? Wenden wir uns- deshalb
dem Hauptinhalt der anscheinend ältesten, eigentlichen Volkssagen ein-
mal zu.

Es sind mehrere immer wiederkehrende Berichte, die am meisten
unsere Aufmerksamkeit beanspruchen. Zunächst ist ein altes Sprich-

1) Flasch a. a. 0. S. 495. — Knauth, Alten-Zelle I, S. 66. — Nachricht
v. Wahlen S. 42.

2) Encelius, De re metallica, S. 14. — Hertwig, Bergbuch, S. 187. —
Lehmann, Obererzgebirg. Schauplatz, S. 625.



138 Heinrich Schxirtz, [54

wort zu erwähnen, das immer wiederholt wird: Im Gebitge werfe der
Bauer oft mit einem Steine nach 'der Kuh, der mehr wert sei, als die
Kuh*. Von den eigentlichen Sagen ist die häufigste die von der Reise
nach Venedig. Wandernde Venetianer kehren bei Bewohnern des Ge-
birges ein, werden gut aufgenommen und fordern ihren Wirt auf, sie
im Falle der Not in Venedig aufzusuchen. In der That unternimmt
der Bergbewohner später die Reise, findet seinen Gast in einem präch-
tigen Hause, das er vom Ertrag der Walenzüge erbaut hat, und wird
reich beschenkt in die Heimat entlassen. Diese einfachste Form der
Sage wird durch allerlei märchenhafte Züge bereichert: Die Reise findet
durch die Luft oder unter der Erde hin statt, oder der Reiselustige
schläft ein und erwacht in Venedig. Bis nahe an die Gegenwart finden
wir die Sage zuweilen herangerückt. Venediger sollen noch zwischen
1810 und 1819 in der Röpsener Mühle imi Voigtlande gewohnt und
den Müller eingeladen haben, sie einmal in ihrer Heimat zu besuchen;
der Müller fand sie dort bfesser wohnen, als Kaiser und König, sie aber *
gestanden ihm, das alles stamme aus dem Salpenbache bei Röpsen ^).
Aehnlichkeit mit wohlthätigen Göttern gewinnen die Venediger, wenn
sie Böses mit Gutem vergelten und etwa den beschenken, durch dessen
Ungeschick oder Bosheit sie ein Auge verloren haben. Dieses Ereignis
wird ebenfalls in ziemlich übereinstimmender Weise ferzählt : Ein Bauer
wirft sein Messer in eine Windsäule oder einen Staubwirbel, aber als
er genauer hinblickt, erkennt er einen Venediger, dem er das Auge
ausgestochen. Stehen wir hier vor einem unverkennbaren Anklang an
den einäugigen germanischen StuVmgott Wodan, so werden wir uns doch
hüten müssen, die&er Thatsache zu viel Gewicht beizulegen, da Hanusch
ähnliche Sagen auf slavischen Ursprung zurückführt ^). Es treten wohl
auch andere Personen an die SteÜe der Walen: Ein Mann aus Drax-
dorf reist nach Leipzig und wirft auf dem Wege sein Messer nach
einem Sturmwinde, der ihm sein Butterbrot voll Staub streut. Der
Kaufmann, zu dem er dann nach Leipzig kommt, hat ein verbundenes
Gesicht und gibt ihm sein Messer zurück^). Die Erzähler haben also
die Sage, wie oben die von der Röpsener Mühle zeitlich, so hier räum-
lich sich näher gelegt und den reichen Venetianer in einen Leipziger
Kaufherrn verwandelt.

Noch unverkennbarer ist endlich die Reihe von Berichten mit der
Mythologie verknüpft, die goldene Tierbilder erwähnen. In der Regel
schenkt der Venetianer dem ihn besuchenden Gebirgler ein aus Gold
getriebenes Tierbild, einen Hirsch oder Bären, oder der Heimkehrende
findet in einer Höhle ähnliche Figuren u. s. w. *). Es liegt nahe, an
goldene- Götterbilder in Tiergestalt zu denken , wenngleich es bei der
Dunkelheit der südgermanischen und gar der slavischen und keltischen
Mythologie unmöglich ist, solche Beziehungen mit Bestimmtheit zu



') Eisel, Sagenbach d. Voigtlandes, S. 238'.

'^) Wissenschaft des slavischen Mythus, S. 185.

^) Eisel a. a. 0. S. 208.

*) Vgl. Pröhle, Harzsagen, S. 129. — Gottschalk, Die Sagen und
Volksmärchen der Deutschen, 1, S. 142. — Wrubel, Bergmann. Sagen S. 92.
101. 102. 106. - Eisel a. a. 0. Nr. 594. 595. - Grass e, Sagenbuch, II, S. 961.



55'] I^er Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 139

behaupten. Wichtiger ist dagegen die Beobachtung, dass die Venediger
oft mit den Zwergen verwechselt werden oder mit ihnen verschmelzen.

Namentlich in den Alpen, die doch Venedig am nächsten liegen,
sind die Walensagen völlig phantastisch und entstehen entweder aus
den Zwergsagen oder gehen in sie über^); das „Venedigermännlein"
spielt geradezu die Rolle eines Zwergkönigs. Im Voigtland finden wir
eine ähnliche Vermischung der sagenhaften Gestalten; EiseP) schreibt:
„Im Ziezelgrunde bei Haueisen sieht man noch zahlreiche Schlacken
von einem Schmelzofen (nach anderen von Backöfen), die die Venetianer
(nach anderen die Bergmännchen) dort erbauten. Noch vor Jahrzehnten
war der Schmelzherd dort sichtbar, dessen sich die Zigeuner beim Gold-
schmelzen bedient haben.** Da haben wir also Venetianer, Zwerge und
Zigeuner nebeneinander und sehen, was besonders interessant ist, die
Volksphantasie an der Arbeit, aus den unbedeutenden Eisenschlacken
Reste der Goldschmelzerei zu machen.

Solche Sagen entstehen oft sehr rasch ; sagenhafte Persönlichkeiten
schrumpfen zu Zwergen ein oder dehnen sich zu Riesen aus. So soll
in der Ruine Isenburg bei Schneeberg der bekannte Kunz von Kaufungen
als Zwerg umgehen '*). lieber die Goldwäschen von Reichenbach hat
sich eine sonderbare XJeberlieferung gebildet, die uns Köhler^) mitteilt:
In der Göltzsch wurde früher Gold gewaschen. Es wird erzählt, dass
einer der letzten Goldsucher, ein Herr aus Reichenbach, nach anderen
von Gansgrün war; derselbe ging stets geduckt einher, was von dem
vielen Goldsuchen herrührte. Durch seine Schmelzversuche soll er ganz
Reichenbach angezündet haben. — Auch Lehmann kennt einen zu-
sammengeschrumpften Goldsucher. „Ein klein Männel," sagt er ^),
„so aus Wiesen thal bürtig, soll sich von Goldseifenwerk, so er aus
einem Brünnlein gegen den böhmischen dürren Berg gemacht, gantz
genehret und gehalten haben, dam eben auch nichts gearbeitet.**

Es ergänzt nur unsere Ansicht, wenn wir im Gegenteil Albinus
die Churwalen, die auch zu den angeblichen Goldsuchern gehören, mit
den alten Riesen oder Rhätiern zusammenstellen sehen ^).

Dass die Zwergsagen nur zum Teil von rein mythologischen Wesen
handeln, in vielen Fällen aber nichts als Erinnerungen an frühere Be-
wohner des Landes sind, ist eine wohlbegründete Meinung. In Thüringen
war z. B. der Glaube allgemein, dass die sla vischen (?) Totenurnen von
Zwergen verfertigt seien, die ehemals die Gegend bewohnt hätten^).
Die Hunnen sind dagegen zu Riesen, zu Hünen geworden®). In den
Venedigem ebenfalls Vertreter älterer, bergbautreibender Völker zu
sehen, lag so nahe, dass man auch nicht gezögert hat, oft mit grösster



') Vgl. Vonbun, Die Sagen Vorarlbergs, S. 16—18. 20.

*) Eisel a. a. 0. S. 347.

^) Grass e, Sagenschatz d. Königr. Sachsen, S. 315.

^) Köhler, Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und Ueberlieferungen ini
Voigtlande. Leipzig 1867. S. 565.

^) Obererzgeb. Schauplatz S. 251.

*^) Albinus, Bergchjronica, S. 98.

') Albinus a. a. 0. S. 178.

®) Forste mann, Die deutschen Ortsnamen. Nordhausen 1863. S. 291.



140 Heinrich Schurtz, [55

Bestimmtheit diese Herkunft der geheimnisvollen Walen zu behaupten.
War man über diesen Punkt bald zu einer entschiedenen Ansicht ge-
langt, so hielt es um so schwerer, sich über das Volk zu einigen, das
in unseren Mittelgebirgen und den Alpen vor der deutschen Besiede-
lung dem Bergbau obgelegen hatte. Der Name „Venediger" liess an
die Wenden denken, während man unter „Walen** zunächst Kelten ver-
stehen musste; andere Forscher trugen kein Bedenken, die Finnen als
das metallkundige ürvolk hinzustellen. Aber es ist die Frage, ob man
so ohne weiteres berechtigt ist, die Herkunft der Walensagen in graue
Vergangenheit zu verlegen.

Schon die Thatsache, dass gerade die silberreichen deutschen Ge-
birge, das Erz- und Fichtelgebirge, der Harz und die Alpen, eine Fülle
von Walensagen aufweisen, gibt zu denken. In diesen Landstrichen,
die das wechselnde Glück des Bergbaues kannten, war die Phantasie
der Bewohner erregt und mehr als anderswo geneigt, dem Boden des
Gebirges unerhörte Reichtümer zuzutrauen ; an geringfügige Thatsachen
mussten sich mit der Zeit die märchenhaftesten Entstellungen knüpfen,
und die weitverbreitete Prophezeiung, dass im Erzgebirge nach dem
Erlöschen des Silbersegens der Goldbergbau beginnen werde, ist ein
Zeugnis unter vielen für das allgemeine Bedürfnis einer Steigerung des
Wirklichen zum Wunderbaren unä Uebertriebenen. Die Walensagen
entsprechen dieser Richtung der Gedanken und sind nur eine ihrer
zahlreichen Aeusserungen.

Sehr bedenklich ist auch die Frage, ob sich Sagen, die an be-
stimmte historische Ereignisse anknüpfen, so ausserordentlich lange Zeit
zu erhalten vermochten. Göttersagen, wie der Glaube an die Umzüge
des wütenden Heeres, Frühlingsmythen u. dgl. bleiben im Gedächtnis
des Volkes, weil ihre Ursache sich immer erneut; den Walensagen
kommt dieser Vorzug nicht zu.

Ferner ist zu erwägen, dass die Zwerge und die Venediger eben
nur in einzelnen Fällen identisch sind. Die Zwerge wenigstens, die
nach der unverdächtigen Ueberlieferung des Volkes vorzeiten das Erz-
gebirge bewohnten und möglicherweise auf eine verschwundene Rasse
deuten , sind keine Freunde des Bergbaues , fliehen vielmehr vor dem
Geräusch der Hammerwerke ^) ; ähnliches erzählt man im Fichtelgebirge ^)
und anderwärts. Endlich ist auch die Geschichte der Gebirge, die
Walensagen aufweisen, eine sehr verschiedene, — kurz, es zwingt uns
nichts, einer Zurückführung der Sagen auf alte Bewohner der Berge
ohne weiteres zuzustimmen.

Auch hier kann nur die Lokalforschung zum Ziele führen. Die
Ansprüche der einzelnen Volksstämme müssen genau untersucht, die
örtlichen Reste und Anklänge vorurteilslos geprüft werden. Es wird
uns nicht schwer fallen, für das Erzgebirge eine solche Untersuchung
durchzuführen, da wir an die Geschichte des Seifenbergbaues, um den
es sich in den Walensagen ja regelmässig handelt, anknüpfen und vom



^) Lehmann, Schauplatz, S. 185.
2) Beschreib, d. Fichtelberges S. 93.



57] I^er Seifenbergbau im Erzgebirge und die Walensagen. 141

historisch Gegebenen rückwärts in das Dunkel der Vorzeit eindringen
können. Wir werden dabei hauptsächKch drei Metalle — Gold, Zinn
und Eisen — berücksichtigen müssen ; das Gold, weil es in den Walen-
sagen die wichtigste Rolle spielt, das Zinn als das Hauptobjekt unserer
Prüfung, das Eisen endlich, weil die Kenntnis seiner Verhüttung auf
metallurgische Fertigkeiten schliessen lässt und weil sich auch an Eisen-
schlacken Walenberichte geknüpft haben. So mögen denn die Völker,
die für unser Gebiet möglicherweise in Betracht kommen, die Slaven
und Germanen, die Kelten und Pinnen, ihre Rechte in kurzen Worten
zu verteidigen suchen.

Quelle: Heinrich Schurtz, Ebenda S.O.

Aw: Historische Berichte 1 Jahr, 3 Monate her #3


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Aurum schrieb:
So ganz helle scheinen unsere Vorfahren nicht gewesen zu sein - und zu misstrauisch Fremden gegenüber, sich einfach mal deren Technik lehren zu lassen, bzw. "abzuschauen":



naja... stell dir vor du schlenderst im sommer 1358 mit deiner goldblitz-waschpfanne und gold&sand-pumpe durch den wald und siehst zufällig wie ein finsterer mafiosi gerade einen high-banker aus seinem fiat panda ausläd. würdest du den ernsthaft ansprechen wenn du nichtmal italienisch könntest?

andererseits wird der finstere geselle auch nicht interessiert sein dir seine technik beizubringen. der betreibt die goldwäsche ja nicht hobbymäßig sondern mit fianziellem hintergrund. d.h. wenn du "sein" gold aus dem bach holst fände der das eher suboptimal
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